Die Papierproduktion in Toscolano Maderno

Die Papierproduktion in Toscolano Maderno

Das Valle delle Cartiere, ins Deutsche übersetzt Papiermühlental, ist ein malerisches Tal in Toscolano Maderno, am westlichen Ufer des Gardasees. Einst war der Ort Toscolano bekannt für die Herstellung von Papier. Schon im Mittelalter wurde es hier geschöpft, So war zum Beispiel die deutschsprachige Bibel, die Martin Luther herausbrachte, auf Toscolano-Papier gedruckt. Die Papiermühlen lagen am gleichnamigen Flüsschen Toscolano, das aus den Gebirgsmassiv des Monte Pizzocolo in den See hinabstürzte. In seinem Wasser wurden die Lumpen eingeweicht, aus denen das begehrte Papier hergestellt wurde. Er trieb auch die Mühlen an und lieferte später den Strom für die Produktion. Heute ist der ehemalige Wildbach durch einen Stausee gezähmt und schlängelt sich in seinem steilen Bett viel sanfter als früher durch das Tal. Auch die Papiermühlen sind bis auf eine einzige schon lange nicht mehr in Betrieb, aber die Ruinen der Fabriken von Luseti, Covoli, Lupo und Maina sehen aus, als hätten sie noch kürzlich das kostbare Papier produziert. Sie stellen sehr interessante Industriedenkmale dar.

Aber nicht nur Technikbegeisterten hat das Valle delle Cartiere viel zu bieten, auch Naturfreunde und Wanderer begeistert das bewaldete Tal mit seinen steilen Felswänden, den alten Steinbrücken, mit seiner interessanten Tier-und Pflanzenwelt. Schautafeln erzählen interessante Geschichten über das Tal, seine Bewohner und die Papierproduktion. Im Wasser des Baches tummeln sich viele Fische, seine Ufer wirken manchmal fast tropisch mit ihrem üppigen Pflanzenbewuchs. Besonders malerisch sind die noch vorhandenen Gewölbe der Papierfabrik Maina Superiore. Sie gehörte früher der reichen Familie Maffizzoli und war die größte Fabrik im Tal. Auch wenn sich inzwischen die Natur die gesamte Anlage zurück erobert hat und zwischen den alten Steinen Gräser, Blumen und sogar Bäume wachsen, ist der Bau immer noch sehr interessant.

​Das Museo della Carta,(zu deutsch Papiermuseum) befindet sich am Eingang des Tals in einer ehemalige Papierfabrik. Hier stehen einige original erhaltene oder rekonstruierte alte Maschinen zur Papierherstellung. Außerdem wird auf Schautafeln und mit Hilfe von Videos und Fotos sehr anschaulich erklärt, wie einst das kostbare Büttenpapier aber auch billiges Papier hergestellt wurde. Der Besucher kann sehr gut nachempfinden, wie schwer die Arbeiter der Papierfabriken früher schuften mussten, wie schrecklich die Arbeitsbedingungen im Mittelalter waren, welcher Lärm, welche Hitze und welcher Gestank in den Arbeitsräumen geherrscht haben muss. Man kann aber auch das schöne alte Papier mit den interessanten Wasserzeichen bewundern, dass unter diesen schwierigen Bedingungen Schwierigkeiten zustande kam. Auch im malerischen Museumsgarten stehen alte Maschinen.

​Für eine gemütliche Rast gibt es Tische und Bänke sowie eine kleine Bar.